Seit einiger Zeit gibt es bei Splitter nicht nur Comics für Erwachsene, sondern auch explizite erotische Comics für Erwachsene. Einerseits lässt sich natürlich fast jedes Sujet auch freizügig darstellen wie etwa in Thrax oder Geheimnisse des Maison Fleury, es gibt aber auch Bände, die sich ein bestimmtes Thema vornehmen.
Was bedeutet Treue?
Axel, der Szenarist und Zeichner dieses Bandes hat schon mehrere Werke in dieser Subreihe veröffentlicht, unter anderem auch Die Versuchung. Er untersucht die Fallstricke, die sich aus besonderen Beziehungen oder Begegnungen ergeben können. Dabei geht es unter anderem über Dreiecksverhältnisse, Urlaubsliebschaften oder Sex in langjährigen Beziehungen.
Sophie, Eine treue Frau, ist Lehrerin und seit langem verheiratet. Ihr Mann hat vor einiger Zeit einen Schlaganfall gehabt und ist nun gelähmt. Sie sind zwar weiterhin ein Paar, müssen ihre Sexualität aber neu finden. Ihre Lösung: Sie lernt Typen in einem Swinger-Club kennen, bestellt sie in ein Hotelzimmer und filmt heimlich die Aktionen, um sie später zusammen mit ihrem Mann anzusehen.
Das funktioniert so lange, bis sich eine der Bekanntschaften mit diesen einmaligen Treffen nicht zufriedengeben will und auf Privatsphäre besteht. Es kommt zu einem ersten, ungefilmten Treffen … Was ist Treue? Und wo hört sie auf?
Explizit
Die Zeichnungen sind sehr explizit und realistisch, trotzdem lassen sie aber den Akteur*innen ihre Würde. Nichts deutet auf Unterdrückung oder Machtverhältnisse hin; die Paare treffen sich aufgrund freier Vereinbarung. Allerdings macht Sophie ihre Männer zu Objekten, indem sie sie heimlich filmt und dann ihrem Mann vorführt. Legal? Nein! Moralisch einwandfrei? Ebenfalls nein! Akzeptierbar da nur für den einmaligen Konsum? Hier muss jede*r selbst entscheiden.
Die Befriedigung eines Marktes
Erotische Comics gab es schon immer, sie haben mittlerweile nur den Weg in die etablierten Verlage geschafft und werden nicht mehr unter dem Ladentisch verhöckert. Wie immer kommt es darauf an, was und wie man es darstellt. Axel sucht sich Randbereiche aus, die es ihm erlauben interagierende Körper zu zeichnen. Er tut es allerdings mit einem sichtbaren Respekt vor den Figuren. Für mich ist es besser, diese Art verkauft sich, als brutale, geringschätzige oder unterdrückende Inhalte!
Dazu passen The Skints mit „Pressure“ und ein Schumacher Alt!
Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € ISSN: 1438-2792
Auch wenn die Temperaturen noch nicht unbedingt an den Herbst erinnern (man denke nur an den Spruch für die Winterreifen: O bis O), das Motorradfahren wird schon gefährlich mit all dem Laub auf der Straße. Insofern tröstet das Cover vielleicht dein Einen oder die Andere ein wenig.
Der Neustart
Es ist noch gar nicht so lange her, da lief der erste Teil der Neuauflage von Ray Ringo im ZACK. Vor 5 Monaten endete der Vorabdruck, mittlerweile ist auch das Album bei Splitter erschienen. Der Held, der eigentlich mit seiner Verlobten ein neues Leben anfangen wollte, musste hinnehmen, dass diese zunächst von ihrer grausamen Familie entführt worden war, nur um dann von einem Trupp Indianer verschleppt zu werden. Die Gefangene enthält einen die Leser*innen aufklärenden erweiterten Rückblick aus ihrer Warte und spielt in tiefsten Winter. Roman Surzhenko muss sich dementsprechend der Herausforderung stellen, die verschneite Landschaft in jedem Panel anders darzustellen (und es gelingt ihm bravourös). Éric Corbeyran ist ein alter Hase des Storytellings, der die Geschichte der Verfolgung spannend auf die Sprechblasen verteilt!
Die Fortsetzungen
Familiengeheimnisse sind immer die Schlimmsten. Jahrelang glaubt man an das Gute und plötzlich erfährt man von den Leichen, die irgendwo tief unten im Keller versteckt worden sind. Zunächst einmal muss Julie Wood aber beweisen, dass ihre gute Platzierung im ersten Rennen keine Eintagsfliege war. Philippe Pelaez verbindet die Krimistory mit den Rennszenen und der Comig-of-Age-Zutat zu einer gut lesbaren, aufeinander abgestimmten Choreografie, Claudio Stassi ist in seinen Zeichnungen manchmal etwas zu schematisch, prinzipiell aber gut unterwegs. Nur die Kolorierung lässt etwas Herzblut vermissen.
In Ghost Squadron stellt sich mittlerweile ernsthaft die Frage nach der Qualität der verfügbaren Maschinen; teilweise wäre Klapperkiste ein treffenderer Ausdruck. Zudem ist fraglich, wer sie denn fliegen kann oder sollte. Zumindest wird klar, dass die Entscheidungen nicht ganz freiwillig getroffen werden können. Eine Flieger-Serie der etwas besonderen Art von Patrice Buendia mit Zeichnungen von Damien Andrieu. Wenn es denn einen Wermutstropfen gibt, dann die manchmal etwas zu schnell gezeichneten Mundpartien. Ansonsten ist das Anschauen der Panel ein großer Spaß.
Wie viel Leid kann eine Frau ertragen? Betrogen, vergewaltigt, zum Tode verurteilt, nach Indien verschifft, verheiratet, aber dem Geliebten fern, … Nun aber deutet sich ein Wechsel an, denn als ihr Bruder sie in ihrem eigenen Palast bedroht, reagiert ihr Mann, der Maharadscha sofort und emotional und will den offiziellen Statthalter Frankreichs zum Tode verurteilen. Wird in Rani die Rolle der Königin die Rolle der Verletzten überragen? Mitreißendes Geschehen in exotischer Umgebung aus früheren Zeiten von Jean Van Hamme und Alcante, routiniert gezeichnet von Francis Vallès. Fast ist es schade, dass nur noch ein weiterer Band aussteht, aber noch bleibt genügend Zeit, die Serie zu würdigen!
Aus der Vergangenheit in die Zukunft: Die Welt hat den Zugriff auf das Web, Mobiltelefonie und ähnliche „Errungenschaften“ verloren, eine brutale Regierung unterdrückt das Volk. Trotzdem gibt es einen Prozess gegen den Anführer der Rebellion (auch wenn das Urteil natürlich längst feststeht). Der zukünftige Anwalt des Gefangenen, seine Auftraggeberin und ihre Schwester spielen ihre Rollen in einem immer undurchschaubarer werdenden Geflecht aus Politik, Erweckungsfantasien und Alltag in einer postapokalyptischen Welt, grandios angerührt von Hans van Oudenaarden ist Wynona eine sehr positive Bereicherung des Franko-Belgischen Standards!
Und auch die Brigade Verhoeven läuft weiter: Der Bomber hat weitere Sprengsätze versteckt, die üblichen polizeilichen Methoden versagen und ein Sonderling muss versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, bevor weitere Explosionen losgehen. Leider ergeben aber die bekannten Fakten wenig Sinn. Eine gut konstruierte Abfolge von unerwarteten Kleinigkeiten von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, auf das Papier (oder wohl eher das Tablet) gebracht von Yannick Corboz. Es lohnt sich, nicht nur die einzelnen Panel zu betrachten sondern jeweils auch die ganze Seite!
Und sonst?
Im zweiten Teil der längeren Tizombi-Erzählung kämpfen sich die Freund*innen durch einige Level, um schließlich die Frage nach der Intelligenz zu stellen – sehr spaßig, ich bin ein großer Fan dieser Serie, auch wenn sie bei den Jahrespolls leider nie gut abschneidet. Nirgendwo sonst wird das Horror-Genre so schön auf den Arm genommen.
Dazu kommen gleich zwei Interviews: mit Thomas Gronle-Legron über seine Graphic Novel Das Ritual und mit Colin Wilson. Im ersten Teil des längeren Interviews geht es vor allem um die Jugend von Blueberry. Dazu kommen News, Rezensionen und der Keller von Frank Neubauer, Der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren, Der Ritter und Parker & Badger. Für eine lange Kurzweil ist also gesorgt!
Dazu passen Mark Foggo mit dem „St. Valentinesday Massacre“ und ein Spezi.
Wow, schon dreizehn Bände und ein Ende ist nicht abzusehen! Die deutsche Albenausgabe hinkt dem Original immer rund zwei Jahre hinterher, die Magazinveröffentlichung im ZACK nur ein Jahr. In diesem Rhythmus können erste Eindrücke vernünftig sacken und die stetige Lieferung trotzdem aufrechterhalten werden. Außerdem gibt es ja auch noch andere Werke aus dem klassischen Graton-Universum (etwa über die Tour de France oder in Kürze Familie Labourdet) oder dem neuen, aktuellen (Julie Wood, Legenden)
Die Gefahr ist noch nicht gebannt …
Zur Erinnerung: Der Rennstall Vaillante wollte seine Markenpräsenz in Amerika ausbauen und ist dort sowohl offizielle Rennen gefahren als auch inoffizielle. Dies gefiel einigen Wirtschaftsleuten nicht, insbesondere aber einer rechtsradikalen, nationalistischen Organisation, die im letzten Band einen missglückten Anschlag auf Steve Warson verübt hat. Nun möchte das FBI die Hinterleute gefangen setzen, denn diese hatten bisher nicht identifiziert werden können.
In der ebenfalls schon länger eingeführten Parallelhandlung kämpft Michels Frau, Francoise, gegen ihren Brustkrebs. Da sie sich aus allem zurückziehen musste, hatte auch ihr Mann beschlossen, solange auf Rennen zu verzichten. Nun wird er aber vom FBI gebeten zusammen mit Steve und Elsa ein 500-Meilen-Rennen zu fahren. Natürlich fällt die Entscheidung dementsprechend und Lapiére kann den typischen Ablauf der Rennvorbereitungen einmal mit anderen Parametern zeigen.
Es sei verraten, dass es am Ende dieses Teils zu einer weiteren, echten Überraschung für Steve kommt, die auch den Titel Erlösung erklärt. Die Auswirkungen könnten so groß sein wie damals der Schock wegen Ruth. Für Spannung ist gesorgt!
Ein weiterer „Rennkrimi“
Die zweite Staffel von Michel Vaillant wird wie eine Netflix-Serie aufgezogen: Mehrere Stränge vermischen sich, laufen auseinander und finden doch wieder zusammen. Trotz dieser Elemente, die im Übrigen mit Bravour gezeichnet sind, darf aber das Kernthema nicht vergessen werden: das Renngeschehen. Weiterhin stehen die Bände für sorgfältig recherchierte, den Stand der Technik und die Abläufe wiedergebende Einblicke hinter die Kulissen des Rennsportzirkus.
Eillam fügt sich nahtlos ein, Marc Bourgne ist ja sowieso ein alter Hase und insofern fehlt hier nichts. Ein alter Freund beschwerte sich neulich bei mir, dass er mit dem neuen MV nicht warm würde. Ja, insbesondere die Zeichnungen sind anders und nichts für Puristen. Gemessen an dem, was heute erscheint, gehört MV aber immer noch oder vielmehr schon wieder zu der Spitzengruppe im Rennen!
Für Serienjunkies und Rennsportbegeisterte!
Michel Vaillant ist eine sehr selten anzutreffende Mischung aus dem klassischen, technikgetriebenen Abenteuer, einer Krimihandlung mit leichten Thriller-Einflüssen und einem Soap-getriebenen Werk, dass Handelnde mit persönlichen Problemen konfrontiert.
Für mich eine der Serien, die das Lesen und Sammeln lohnen: ständige Fortentwicklungen der Personen, neue Herausforderungen, die passen und zueinander in Verbindung stehen und eine Mischung aus kurzen (Albenlangen) Handlungen und übergreifenden Storyarchs.
Dazu passen The Hives mit „Hate to say, I told you so“ und ein Herbstbock.
George Lucas hat ein eigenes Museum for Narrative Art eröffnet. Das ist zunächst schon mal eine gute Nachricht, denn sie enthält die Mitteilung, dass das, was eine der bedeutendsten Geschichten der Science-Fiction hat entstehen lassen, nachvollziehbar wird. Die Nachrichtensendungen transportieren diese Meldung, zeigen die wunderschöne moderne Architektur des Museumsgebildes mit seinen 30 Galerien, und verweisen auf die Person des Stifters und dass sein Kunstbegriff auch unterhaltende Kunst umfasst. Das ist die eine Seite!
Die andere ist, dass hinter diesem Museum und seiner Eröffnungsschau eine Theorie der erzählenden Kunst steht, die so ausführlich und anschaulich dargestellt ihrer Gleichen sucht. Es gibt viele Sammler*innen von Kunstwerken. Viele von ihnen sammeln sogar mit einem Ziel: ein*e Künstler*in, eine Richtung, eine Geografie, ein Thema, oftmals weiter eingeschränkt. George Lucas hat im Laufe der Jahre 40.000 Artefakte gesammelt, die ihn berührt haben, ohne auch nur ein einziges davon wieder zu verkaufen. Diese persönliche Motivation hat dazu geführt, dass die Werke sich in einer Weise ähnelten, die es erlaubte, eine Theorie damit zu unterfüttern.
Alle diese Kunstwerke erzählen eine Story, unterfüttern sie oder stellen sie in Frage, selbst wenn das des Schaffenden nicht immer ausdrücklich klar war!
Ein Bild ist neutral?
Keinesfalls! Ein Bild steht fast immer in einem Zusammenhang. Es normiert Erwartungen, schafft einen Rahmen des Erwartbaren, Erlaubten, Frivolen, … Selbst eine Flucht in eine romantische Landschaft, ein abstraktes Muster, ein Stillleben ist eine Aussage, erst recht die Darstellung einer soziologischen Begebenheit.
Das fängt bei den Geschichten für Kinder an: Ist es eine heile, konservative Welt mit einem normierten Familienbegriff? Oder gibt es Patchworkhintergründe und queere Eltern? Sind die Kinder gemischt nach Ethnien, Geschlecht und Alter oder separiert? Alle diese scheinbar unwesentlichen Details bilden den Hintergrund der ersten Prägung, die nicht von den Eltern ausgeht und damit quasi objektiv wahrgenommen wird. Die Darstellung der heilen Familie in der Vorstadt (Stichwort: Tradwives) unterscheidet sich von der Influencer-Welt, der Schichtarbeit, der Land-WG. Es ist aber nicht nur die Darstellung, die sich unterscheidet, es ist auch der damit bezweckte Impetus.
Norman Rockwell Age of Romance, cover for The Saturday Evening Post, November 10, 1923. Oil on canvas, 30 x 24 in. (76.2 x 61 cm)
Ganz plump ausgedrückt: Unterstützen das Bild und seine Narration die herrschenden Verhältnisse, stellen sie sie in Frage oder rufen sie gar zu einer revolutionären Aktion auf? Es ist wichtig, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Bilder in einem Kontext lesbar sind.
Der Massendruck bot eine Möglichkeit, dieses Medium in viele Haushalte zu bringen, die Rezeption war aber immer noch individuell: beim Zeitung-/Magazinlesen, beim Betrachten des Kunstdruckes an der Wand, beim Durchblättern eines Bildbandes.
Vom Individuum zur Gruppe
Jede individuelle Rezeption mag Folgen haben, sie mag sogar im Gespräch mit Anderen Unterstützung finden und somit kollektive Entscheidungen beeinflussen; das ist aber kaum planbar. Anders ist es mit öffentlichen Präsentationen: ein Mural (Wandbild) erreicht nicht nur die gesamte Nachbar*innenschaft, sondern zieht vielleicht sogar Auswärtige an, eine Ausstellung, noch mehr ein Film garantiert eine Gleichzeitigkeit des Erlebens und ermöglicht dadurch Interaktion und kollektive Beeinflussung.
Das soll im Übrigen keineswegs nur negativ klingen! Eine Unterstützung von Tierschutz und Umweltbewusstsein, eine Änderung im täglichen Verhalten wie Mülltrennung, Aufklärung über krankheitsfördernde Umstände sind – zumindest für mich – sehr positive Folgen dieser subtilen, aber wirksamen Präsentation von narrativer Kunst. Nicht zuletzt basiert unsere demokratische, freie Gesellschaft auf der Interaktion und der Vereinbarung auf das Beste für Alle.
Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Gemalte Bilder und erschaffene Skulpturen haben immer etwas Subjektives und unterliegen damit einem gewissen Vorbehalt. Ein Foto hingegen bildet die Realität ab, niemand kann es anzweifeln (nun ja, schon immer konnten Fotos manipuliert werden, aber nie war es einfacher als heute mit AI). Dokumentarfilme mit bewegten Bildern waren noch eindringlicher: Seeing is believing!
Robert Colescott George Washington Carver Crossing the Delaware: Page from an American History Textbook, 1975. Acrylic on canvas, 78 1/2 x 98 1/4 in. (199.4 x 249.6 cm)
Der Museumskatalog führt nicht nur diese Gedanken sehr viel tiefer aus, allerdings auf Englisch, er führt auch eine Vielzahl an Beispielen aus der umfangreichen Sammlung an. Diese belegen positive wie negative Elemente, zeigen an Gegensätzen die Wirkung und hinterfragen ein ums andere Mal die teilweise behauptete Objektivität. Schon die Auswahl des Motivs hat einen Einfluss!
Die Glaubwürdigkeit der Kulisse
Der erste Band des zweiteiligen Kataloges schließt mit dem filmischen Star Wars Universum. Es geht nicht nur darum, welch großartige Story der Film erzählt (oder besser die Vielfältigkeit der erzählten Geschichten, die sich zu einem modernen Mythos verbinden), sondern auch darum, was man tun muss, um die Glaubwürdigkeit zu erreichen.
Das fängt damit an, dass die Kulissen, Raumschiffe und Kleidungsstücke nicht sauber poliert sind. Die damaligen SF-Filme sahen oftmals so aus, als ob die Putzkolonne das Setting gerade verlassen hatte. In Star Wars waren die Sachen alt, geflickt, staubbedeckt und damit … glaubhaft! Die Sandleute hatten nicht nur Männer, sondern auch Kinder und Frauen; diese unterschieden sich in ihren Klamotten. Die heute ikonische Prinzessin Leia trug etwas, das Adel ausstrahlte, im Kampf aber nicht behinderte, die Fahrzeuge und die fremden Wesen waren erkennbar anders, konnten aber funktionieren.
George Lucas hatte nie vor, nur einen erfolgreichen Film zu drehen, er wollte ein Universum erschaffen, bevölkern und mit den Geschichten in diesem Setting Prinzipien Gehör verschaffen, Probleme des Erwachsenwerdens, des Gegensatzes von Gut und Böse, von Machtmissbrauch thematisieren und ernst genommen werden. Dafür ist/war es notwendig, sich mit diesem Setting alle Mühe zu geben, um eine glaubwürdige Basis zu haben.
Doug Chiang Starship Landing Platform (detail), production art for Star Wars: Episode II — Attack of the Clones, 2000. Acrylic on board, 10 5/8 x 17 3/4 in. (27 x 45.1 cm)
Der zweite Band des monumentalen Werkes bleibt bei der erzählten Geschichte, führt sie allerdings von der Leinwand zurück auf das Papier. Imaginierte Welten entführen die Betrachter*innen und zeigen etwas, das nicht existiert, aber doch eine bestimmte Funktion erfüllen soll. Diese kann zunächst einmal positiv sein, also ein Ideal darstellen oder eine Auffassung von gemeinsamer Geschichte definieren.
Ein Beispiel dafür ist die Besiedlung des sog. „Wilden Westens“. Weder war dieser leer, noch gingen die ursprünglichen Bewohner*innen freiwillig. Die Neuankömmlinge waren keineswegs immer friedlich oder voll mit guten, demokratischen Gedanken. Trotzdem ist auch durch die Darstellung in Pulps, in Gemälden und Comics eine Basis für ein Verständnis dieser Geschichte geschaffen worden, dass als Gründungsmythos dient (und natürlich auch von Foto und Film unterstützt wurde). Im Endeffekt beruht ein Großteil der Identität der Vereinigten Staaten auf dieser – die Geschichte nicht unwesentlich formenden – erzählten „Wahrheit“.
Diese Welten beziehen sich aber nicht nur auf die Geschichte, sie sind auch in anderen sowohl soziologischen als auch philosophischen Bereichen spürbar. Da wäre zunächst der Bereich Romantik und Abenteuer. Natürlich werden die zukünftigen Erwachsenen auch durch das geprägt, was sie als Kinder und Jugendliche als Rollenbilder vorgesetzt bekommen. Die heile Familie, der allen Gefahren trotzende und Andersartige abschlachtende Held sind die eine Seite, das hilfsbereite Kind in einer offenen Gesellschaft, das solidarische Leben von Erwachsenen die andere.
In enger Wechselwirkung dazu stehen die Themen Science-Fiction und Fantasy; Während erstere eher gesellschaftliche Visionen und Dystopien beschreibt, spielen in letzterem wieder die Helden, seltener Heldinnen, und Machtstrukturen eine Rolle. Abschießend geht der Katalog auf wenige Künstler*innen spezifisch ein, die pars pro toto stehen.
Must Have!
George Lucas und seine Frau Mellody Hobson haben letzte Woche bei der Eröffnung des Museums den ersten 100 Besucher*innen persönlich die Hand geschüttelt. Das neu errichtete Bauwerk ist schon ohne Ausstellung einen Besuch wert, die Schau mit ihren fast eineinhalb Tausend Stücken erst recht! Wer es aus welchen Gründen auch immer wie die meisten von uns nicht nach Kalifornien schaffen sollte, hat mit dem Katalog Lucas Museum of Narrative Art eine echte Alternative! Gut aufbereitet, informativ und einordnend und trotzdem locker lesbar ist das Werk ein heißer Anwärter für das Sachbuch des Jahres!
Wer sich auf die Reise macht, sollte den Katalog vorher lesen, sich seine eigenen Gedanken machen und versuchen, diesen im Gebäude mit seinen 30 Sälen zu folgen. Die Werke sind im Original mit Sicherheit noch eindrucksvoller, die Theorie des visuellen Erzählens und seine Folgen ist in Häppchen vorab genossen wahrscheinlich besser verständlich als bei einem Besuch.
In beiden Fällen ist der Schuber mit seinen zwei Bänden nicht nur ein Hingucker im Regal, sondern auch ein lehrreicher und begeisternder Zeitvertreib bei allen Wartereien!
Dazu passen Gustav Holst mit „Die Planeten“, ein Espresso (aus Äthiopischen Bohnen) und ein guter Bordeaux.
Bei unseren französischen Nachbarn hat der Comic schon im Allgemeinen einen wesentlich höheren Stellenwert als bei uns. Zwar ist auch hier der neue Asterix sowohl ein Medienereignis mit Sonderausgaben von sonst eher „ernsthaften“ Publikationen als auch gigantischen Verkaufszahlen. Ansonsten aber wird die Gattung eher nicht öffentlich gewürdigt. Im Nachbarland haben dagegen viele Serien nicht nur eine hohe Verkaufsauflage, sie werden auch durch Sonderausgaben von Magazinen wie Geo oder Zeitungen wie Le Monde gewürdigt. Diese vereinen populärwissenschaftliche Erkenntnisse, Artikel über die Serie und Abbildungen zu einem gut lesbaren Band.
Zwei englische Gentleman mit einer verzweigten Geschichte
Das Blake und Mortimer Lexikon ist die deutsche Übersetzung einer vor zwei Jahren erschienenen Veröffentlichung der renommierten Zeitung Le Monde. In etwas mehr als 50, meist zweiseitigen stichwortbezogenen Artikeln widmet es sich den Helden von „Archäologie-Fiktion“ bis „Z’ong“. Einige der Beiträge sind Serien-immanent und beschreiben Gegner, Personen oder häufig wiederkehrende Orte, andere beziehen sich eher auf den Schöpfer, Edgar P. Jacobs, und seine Nachfolger*innen.
Ihnen ist gemeinsam, dass der gut lesbare und Hintergründe erläuternde Text von einer Vielzahl von Abbildungen begleitet und unterstützt wird. Auch für eingefleischte Fans ist es dabei sehr schön, dass die meisten Stichworte mit Panel aus mehreren Alben bebildert sind. Dadurch lassen sich sowohl stilistische Unterschiede begreifen als auch Verbindungen ziehen.
Wer also schon immer einmal wissen wollte, welche Beziehung die Serie zu James Bond hat, was der Centaur-Club ist oder welche Rolle Okkultismus in verschiedenen Ausprägungen in und für die Serie spielt, sollte den mit einem Glanzlack-Motiv versehenen Hardcover-Band aufschlagen und sich überraschen lassen.
Ein Lexikon? Wirklich? Ja!
Wie immer ist die Nutzung eines Lexikons eine sehr persönliche Sache: man kann es von vorne nach hinten lesen, den Index nutzen um zu einem bestimmten Stichwort zu springen oder das Buch irgendwo aufschlagen … Natürlich können die meisten Fragen mittlerweile auch von einem der vielen LLMs beantwortet werden. Diese würden aber zumindest juristische Probleme haben, ihre Antworten auch so wirkungsvoll zu bebildern und man müsste natürlich auch auf all die Fragen kommen, die der Herausgeber hier gesammelt hat.
Wer sich mit der Serie schon länger beschäftigt hat, kennt das Dossier der Reddition, die Blake & Mortimer Bibliothek mit Informationen zu den Werken von Jacobs und vielleicht noch mehr. Trotzdem bleibt der Genuss des Schmökerns über die jahrzehntelange Geschichte, ihre Verästelungen und Unterschiede (etwa im Rollenbild der Frau)!
Dazu passen eine der englischten Bands der Pop-Musik, Madness, und ein London Pride Ale.
Nicht nur die TV-Serien wie Babylon Berlin erlauben eine Rückkehr in vergangene Zeiten, auch Comic-Romane sind dazu vorzüglich geeignet. Im Gegensatz zum Film können sie aber auch mit Leichtigkeit nicht nur die Zeitreise ermöglichen, sondern sich durch die Zeichnungen auch stilistisch viel besser annähern als es der Film jeweils könnte.
Radar ist zurück!
Die mit diesem Band abgeschlossene Miniserie spielt Ende des zweiten Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts. Schon das ist eine wilde und anregende Zeit, setzte sich doch die Moderne erstmals großflächig durch und in Szene. Autos bevölkerten die Straßen und selbst Flugzeuge waren nicht mehr nur noch auf Fotos zu bewundern. Dabei bestimmt die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen die Zeit: Die Mode war nie freizügiger und doch waren die Anzüge hochgeschlossen. Der Champagner floss und die Leute verhungerten. Der Fortschritt versprach Frieden und brachte Krieg.
In diesem Rahmen spielten sich verschiedene Settings von verschrobenen Kriminellen ab, sei es Fantomas oder Gestalten von Fritz Lang. Auch der Held dieser Geschichte, Doktor Radar, ist ein solcher Typ. Von sich selbst überzeugt, möchte er Herrscher der Welt werden, und setzt dazu seine Schergen ein, die mit äußerster Brutalität zu Wege gehen.
Dem wirken nur seine ewigen Widersacher Ferdinand Straub und Pascin entgegen, die natürlich ebenfalls ihre Rolle in diesem Spiel haben. Drama, Gewalt und Größenwahn sind die Elemente in dieser vorzüglichen Geschichte
Expressionistisches Comic-„Kino“
Bézian hat genau die richtige Weise gefunden, dieses Drama zu Papier zu bringen: In kräftigen Farben und einem hohen Schwarz-Anteil zeichnet er Fratzen, maskenhafte Gesichter mit großen Augen, die auf angedeuteten Körpern sitzen, gerasterte Klamotten tragen und die ständige Überspitzung glaubhaft umsetzen. Die sehr zurückhaltende Bildsprache übernimmt die Sprache des Stummfilms und schafft damit eine einzigartige Atmosphäre!
Leider ist der Comic bisher nicht so erfolgreich, wie er es verdient hätte. Während heutzutage teilweise Gekritzel preiswürdig ist, hat es echte Kunst oftmals schwierig, ein Publikum zu finden. Dabei kommen hier künstlerisches Vermögen, Anspruch und eine sehr gut lesbare Geschichte zusammen. Niemand muss befürchten, nicht gut unterhalten zu werden!
Fast schon ein Must-Have!
Doktor Radar ist anders als der typische Thriller, sicherlich. Wer Blofeld oder seine Nachfolger als den typischen Welteroberer sieht, wird in diesem Vorgänger trotzdem sein Vergnügen haben! Wer lieber Basam Damdu in dieser Rolle sieht, hat es noch leichter! Allein die Zeichnungen wirken auf den ersten Seiten nicht vertraut, ziehen aber die/den /Leser*in magisch ein und machen es schwer, vor dem Ende aufzuhören.
Wer also schon auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist oder sich selbst etwas Gutes tun möchte, sollte unbedingt einen Blick in diesen Dreiteiler werfen! Es lohnt sich. Direkt beim Verlag gibt es übrigens eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und exklusiven Drucken…
Dazu passen Poems for Layla mit „Doscyk Doscyk“ und ein Absinth.
Romane von Pierre Lemaître bieten sich für eine Umsetzung als Comic an; neben dieser neuen Serie in der ZACK-Edition läuft gerade im Magazin die Serie Brigade Verhoeven, die ebenfalls von Pascal Bertho zu einem Comic-Szenario umgearbeitet wurde. Aus der Spur ist unter anderem eine bitterböse Satire über Arbeitslosigkeit und die Auswirkungen auf die Psyche der Menschen.
Ein gescheitertes Leben
Der Held, Alain Delambre, war ein erfolgreicher Manager. Aufgrund von wirtschaftlichen Erfordernissen wurde sein Arbeitsvertrag allerdings gekündigt und nun versucht er seit vier Jahren, eine neue Stelle zu finden. Zwar gibt es einen Mangel an Fachkräften, trotzdem findet nicht jede*r sofort einen neuen Job, der den Fähigkeiten entspricht, das Alter der Bewerber*innen akzeptiert und zudem wenigstens in der Nähe des Wohnortes ist.
Alain ist bereits so verzweifelt, dass er einen Lagerjob angenommen hat, der weit unter seinen Qualifikationen liegt. Er ist allerdings auch emotional „flexibel“ und legt sich immer wieder mit seinem Chef an. Dieser fordert – seiner eigenen Macht bewusst – von seinen Angestellten weit mehr, als der Vertrag hergibt.
Da bietet sich eine Chance bei einem Assessmentcenter der besonderen Art. Doch zurück zum Anfang: Gleich die erste Seite zeigt, wie Alain von einem Sondereinsatzkommando abgeführt wird. Seine Familie versteht ihn immer weniger und seine Tochter, eine Anwältin, möchte ihn eigentlich nicht verteidigen. Bertho (und Lemaître) zeigen in diesem Sozialthriller deutlich die Schritte, die in den Abgrund führen …
Realismus pur!
Die Geschichte ist teilweise schon sehr zynisch, Guiseppe Liotto setzt mit seinen Zeichnungen noch einen drauf: die diabolischen Gesichtsausdrücke der handelnden Personen drücken die Emotionen deutlicher aus, als Worte sie beschreiben könnten. Macht und das (falsche) Gefühl, Macht zu haben, verzerren die Gesichter! Großartig!
Ansonsten sind die Bilder mit vielen Details angereichert und daher sehr atmosphärisch. Die kleinen Gegenstände und Flecken schaffen ein stimmiges Ambiente, da sie extrem realistisch wiedergeben, was zu sehen ist. Das Auge erkennt zwar die Zeichnung, nimmt aber die Umgebung fast wie von einem Foto war.
Ein stimmiger Thriller!
Aus der Spur ist ein gut lesbarer und noch besser wahrnehmbarer Comic, der als eine Mischung aus Sozialstudie und Thriller daherkommt. Durch die vielen Rückblicke werden die Leser*innen Stück für Stück mit den Hintergründen vertraut gemacht, lernen den Helden besser kennen und verstehen, entwickeln aber keine Sympathie für den Antihelden.
Die Ausstattung als Hardcover ist – wie immer bei der ZACK-Edition – fehlerfrei und ansprechend, der Preis sicherlich am oberen Rand, aber angesichts der allgemeinen Preisentwicklung und der Größe des Verlages in Ordnung! Zudem ist eine in drei Bänden abgeschlossene Serie auch kein endloses Unterfangen.
Dazu passen The Addicts mit „Picture the Scene“ und ein Billigbier.
Das Fabeltier aus dem palumbischen Urlaub von André Franquin gehört zum Allgemeingut der Popkultur. Während aktuell ein animiertes Wesen die Kinoleinwände bevölkert, das mit seinem Ursprung nicht mehr viel gemein hat, hält Batem, der die Serie damals als Zeichner von Franquin übernommen hatte, der Tradition die Treue. Neu ist hingegen das Autorenteam.
Eine Safari mit erwartbarem Ausgang
Seltene Tiere ziehen leider eine ganz besondere Art von Menschen fast schon magisch an: sie sind reich, gewalttätig, egozentrisch, machtgeil und größenwahnsinnig. Dementsprechend gibt es für sie nichts Größeres als eine Trophäe von einem erlegten Tier an der Wand! Auch das gelbgefleckte Wesen mit dem langen Schwanz soll eine entsprechende Wand zieren, der Sammler möchte aber nicht selbst tätig werden und schickt daher fünf besonders erfolgreiche Großwildjäger in den Dschungel. Es beginnt Die letzte Jagd!
Die Truppe besteht aus sehr gegensätzlichen Individuen und einem Führer, der anfangs eine Fehlbesetzung zu sein scheint. Während Bring M. Backalive seine üblichen Katastrophen fabriziert und doch zum Helden wird, sind die anderen vier mit ihren jeweiligen Methoden nicht minder witzig. Kid & Ced schaffen es, die Typen ernst zu nehmen, ihre jeweilige Marotte zu präsentieren, nur um sie dann doch dem Marsupilami auszusetzen.
Obwohl es das erste Album der beiden Künstler ist, treffen sie die Archetypen der Serie genau, ergänzen sie aber auch noch um ihre eigenen Ideen, bei denen teilweise Disney’s Dschungelbuch ein wenig Pate gestanden haben könnte. Ein gut lesbarer Spaß für alle Altersklassen!
Ein modernes Marsupilami im klassischen Gewand
Batem zeichnet die Serie schon seit 39 Jahren und noch immer sind die meisten Bände lesenswert! Die Zeichnungen waren immer ein Genuss! Vor Jahren durfte ich Batem treffen, ein Gruß an Euch findet sich hier. Der Strich ist dynamisch, der Dschungel detailreich und die Action lebendig! Dazu kommen die leicht skeptischen Blicke der Jäger*innen, die sich die Konkurrenz anschauen und ihre Hintergedanken haben.
Eine Freude ist im Übrigen die Sequenz, die ins Musicalhafte überleitet und den singenden Führer zeigt – glänzend gelöst! Die Zeichnungen sind alle generationentauglich – Gewalt wird so witzig angedeutet, dass Erwachsene sie erkennen, jüngere Leser*innen sie aber anders wahrnehmen. Zudem sind genug Gadgets der digitalen Generation eingearbeitet; die Jugendlichen sollten also „ihre“ Welt erkennen können.
Gelungene Modernisierung
Langlaufende Serien unterliegen immer der Gefahr, sich nur noch auf sich selbst zu beziehen und zu erstarren. Die beiden neuen Szenaristen bringen frischen Wind in die Serie und balancieren gekonnt Humor, Klamauk und Story gegeneinander aus. Batem bleibt sicher in seinem Strich und wird die Serie auch in ihr fünftes Jahrzehnt führen können.
Wer ein wenig Abstand gewonnen hatte, ist eingeladen, einen neuen Blick zu riskieren! Wer durch Die Bestie oder Flix wieder an das Marsupilami erinnert worden ist – diese Serie ist zwar nicht Franquins Original, kommt ihm aber zumindest bei den Zeichnungen nahe.
Dazu passen Paul Heaton mit fast allem und ein Bundaberg Blutorange.
Endlich geht es weiter mit den Abenteuern um die für die Organisation 666 tätige Nicky Saxx und ihre Freundin Elja. Tatsächlich ist zeitgleich auch bereits der vierte von 10 Doppelbänden erschienen (Rezension folgt in Kürze). Die Reihe war einer der letzten großen europäischen Zeitungsstrips und erscheint nun in einer durchgängig kolorierten Fassung in Deutscher Erstveröffentlichung.
Transparenzhinweis: Der Autor dieser Rezension war als Übersetzer an der Produktion beteiligt.
Todesahnung und Verfolgungsjagden
Die mit einem Strip pro Tag erschienenen Geschichten ergeben im Albenformat jeweils rund 22 Seiten, der nach Auffassung von Willem Ritstier besten Kombination aus lang genug und noch überschaubar.
W.W.T. steht für World Wide Terror. In einem kleinen östlichen Land sterben auffällig viele Agent*innen während einer kurzen Zeitspanne. Man glaubt, dass Nicky als unverbrauchte Person hilfreich sein könnte und schickt sie auf ihre geheime Mission. Schnell führt diese nicht nur zu erheblichen Kopfschmerzen, sondern mündet in eine sehenswerte Verfolgungsjagd.
Die zweite Story, Intensiv, beginnt mit einem Traum, den Elja mehrfach genau gleich erlebt, und der sie an die prophetischen Träume erinnert, die sie als Jugendliche erleben musste. Da Nicky von den parapsychologischen Fähigkeiten ihrer Freundin weiß, gehen sie der Sache mit Hypnose auf den Grund und finden heraus, dass die Geschehnisse in einem kleinen kanadischen Ort stattfinden müssen. Vor Ort geraten sie nicht nur in ein Eifersuchtsdrama und landen zwischen Eisbären in einem alten Auto, sie geraten auch in Lebensgefahr.
Rasante Dynamik
Das Zeitungsmedium erfordert Bilder, die ein nicht so haltbares, feines Papier vertragen können und gleichzeitig auch aus einer gewissen Entfernung Aufmerksamkeit erzeugen können. Minck Oosterveer löst diese Aufgabe mit Bravour! Auch im schwarz-weiß der Originalveröffentlichung sind seine Konturen scharf genug, die Flächen aussagekräftig und die Dynamik sichtbar. Mit der für diese Albenausgabe hinzugefügten Kolorierung gewinnen die Zeichnungen sogar noch.
Drei Panel pro Tag zwingen zu Vereinfachungen und erfordern Action in kurzen Sequenzen. Dementsprechend entwickelt sich hier nichts über einen langen Zeitraum in einem groß gedachten Layout. Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine längeren Folgen gibt, sie sind nur jeweils auch in Kürze lesbar und wirksam. Für Fans des Zeitungsstrips wird hier alles geboten!
Auch für normale Comicfans ein Genuss!
Die Nicky Saxx-Bände sind aber auch für reguläre Comic-Leser*innen ein Genuss, kombinieren sie doch zwei toughe Heldinnen, rasante Action, Suspense und eine gewisse Nostalgie nach den Anfängen des digitalen Zeitalters! Natürlich sind die Eigenheiten des Mediums, jeden Strip mit einer kleinen Einführung zu versehen und mit einem Cliffhanger zu enden, ein anderer Genuss als ein seitenweise komponiertes Geschehen. Sie schaffen dadurch aber ein sehr spannungsgeladenes Ambiente. Als Gimmick ist eine als Zeitung aufgemachter redaktioneller Teil beigefügt, der Hintergründe zu den Künstlern enthält.
Toughe Heldinnen gehörten schon immer zum Genre, etwa Modesty Blaise. Nicky und Elja sind etwas moderner und expliziter, die Gegner weniger James-Bond-like. Wer auf diese Art von Krimis steht, wird hier aber gut bedient. Wer möchte kann auch die auf 50 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und beigelegtem signiertem Druck erwerben!
Dazu passen The Toasters, etwa mit „Don’t let the bastards grind you down”, und ein frischer Herfstbock eurer Wahl.
Manche Sachen ändern sich nie … oder doch? Nach insgesamt 20 Alben aus dem Amoras Kosmos gibt es einen Wechsel im Kreativ-Team, denn von nun an übernimmt Kristof Berte den Stab von Marc Legendre. Am Konzept der Serie ändert sich aber nichts und der Wechsel war bereits im Anhang der ersten Auflage des Auftaktbandes der Helden van Amoras angekündigt. Trotzdem ist das natürlich ein guter Anreiz für comix-online mal wieder auf diese Serie zurückzukommen und zu bejammern, dass sie in Deutschland keinen Fuß zu fassen scheint.
Der Blues und die Sache mit dem Teufel
Wer kennt sie nicht, die Saga von dem Musiker, der seine Seele an den Teufel verkauft, und plötzlich erfolgreich ist. Theoretisch stammt sie natürlich aus alten Zeiten, sie gehört aber sozusagen zum Inventar der Geschichten mit Bezug zu Blues. Aber zurück zu tatsächlichen Setting in Cross Road Blues:
Jerom arbeitet in einer Musikkneipe als Türsteher und Handlanger; erfolgreichster Themenabend der Kneipe sind die regelmäßigen offenen Bühnen, die nicht nur ein angestammtes Publikum haben, sondern bei denen im Regelfall auch die gleichen Künstler*innen auftreten. Dazu gehört Bobbie Mukendi, der leider wenig Talent besitzt. Nach einem unschönen Abend taucht der Musiker wochenlang nicht mehr auf, bis er plötzlich als Virtuose wieder da ist.
Hat Bobbie Blues wirklich seine Seele verkauft? Diese Frage stellen sich auch Suske und Wiske die – nach einem unerlaubterweise besuchten Konzert – ebenfalls von den Gitarrenkünsten geflasht sind, aber der Sache auf den Grund gehen wollen. Der erste Versuch endet sehr schnell schmerzvoll und spornt die beiden erst recht an …
Dynamische Zeichnungen
Charel Cambré ist dabei geblieben, das grafische Erscheinungsbild ändert sich also nicht. Außerdem schreibt auch Berte actionorientiert und lässt dem Zeichner den Raum, seine Fertigkeiten zu beweisen.
Die neue Reihe wollte Suske und Wiske wieder mehr in den Vordergrund stellen und beweist das auch mit allen bisherigen Bänden. Die zwischen jugendlich und jung erwachsen pendelnden Personen leben glaubhaft Emotionen, Begeisterung wie Frustration, aus und das Ambiente ist alles andere als eine Hochglanzwelt, die uns aktuell leider zu oft begegnet.
Must Have des modernen Abenteuercomics!
Ich bleibe dabei, die Serie ist auch mit einem neuen Szenaristen unter den europäischen Reihen mit das Beste, was aktuell geboten wird, denn sie vereint Spannung, augenzwinkernden Humor, Action, erwachsene Themen und ein wenig Übertreibung, ohne in unglaubwürdige Klischees oder Fleischbeschau zu verfallen. Dieser Band verweist auf viele Motive im Musikbusiness; das Konzept ist dabei, jeweils ein Thema herauszugreifen und anekdotisch zu referenzieren.
Da alle bisherigen Versuche, die Serie auch bei uns zu etablieren, gescheitert sind, müssen Fans wohl ober übel auf das Original zurückgreifen. Nun ja, es gibt deutlich Schlimmeres, ist die niederländische Sprache der deutschen doch oft ähnlich genug. Zudem gibt es so viele kleine Übersetzungshelferlein, dass das keine Hürde mehr darstellen sollte.
Dazu passen Keb Mo mit seinem neuen Album „The Breakdown“ und ein rauchiger Whisky.
Update: Ich lese gerade im neuen ZACK-Newsletter die Ankündigung, dass die Helden auch auf Deutsch erscheinen werden!