Axel – Die Versuchung

Nichts ist ohne Konsequenz

Story: Axel

Zeichnungen:  Axel

Originaltitel: La Tentation

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |64 Seiten | Farbe | 19,80 € | ISBN: 978-3-68950-160-0

Für Erwachsene

Cover Axel - Die Versuchung

In der Splitter-Sub-Reihe Splitternackt erscheinen mehr oder weniger explizite, teils klassische Exemplare der Gattung erotischer Comic. Dieser Band ist definitiv nichts für Jugendliche.

Der Reiz des Neuen

Gérard und Francoise sind ein Ehepaar, das schon vieles miteinander erlebt hat. Ihre Tochter ist mittlerweile erwachsen, sie sind in den Fünfzigern, haben ihre Midlife-Krisen also eigentlich überstanden. Trotzdem scheint ihnen in ihrer Beziehung irgendetwas zu fehlen, die Leidenschaft hat sich langsam davongeschlichen.

Trotzdem gönnen die beiden sich ein paar Tage Sommerurlaub an der Mittelmeerküste. Am Strand lernen sie ein anderes Pärchen kennen und verabreden sich zu einem Restaurantdinner. Die Stimmung ist nett, man nimmt noch einen Absacker und dann beginnt alles zu rutschen. Nach einem gemeinsamen Nachtbad im Meer schlafen die beiden Paare am Strand miteinander. Die beiden jungen Leute haben ein anderes Verhältnis zu diesen Dingen und es kommt am nächsten Abend zu einem Partnertausch.

Axel - Die Versuchung page 3

Während Francoise nicht weiß, wie sie damit umgehen soll, dass ihre Leidenschaft (auf ihren Mann) wieder da zu sein scheint, beschließt dieser, alles in Frage zu stellen. Während der Konflikt sauber herausgearbeitet und über mehre Phasen begleitet wird, sind die Handlungen sehr explizit.

Realismus pur

Die Bilder von Axel sind dem Realismus verhaftet. Obwohl ein wenig weichgezeichnet, bleibt doch jedes einzelne Haar zu erkennen. Dabei geht es nicht um Macht oder das Besitzen. Alle Teilnehmer*innen werden gleichberechtigt dargestellt. Ob man sich allerdings von unklaren Emotionen leiten lassen muss, ist eine der aufgeworfenen, aber nicht beantworteten Fragen.

Axel - Die Versuchung page 6

Obwohl sich Axel immerhin um eine Story bemüht hat, steht diese doch klar im Hintergrund der Zeichnungen. Das Ganze erinnert ein wenig an einen (zugegebenerweise sehr expliziten) Schlagertext.

Traum oder Alptraum?

Sicherlich gibt es nicht wenige Männer, die von Situationen wie dieser träumen. Anstatt dann aber zu sehen, wie man aktiv an der Beziehung arbeiten kann, ziehen sie sich zurück oder fangen etwas Neues an. Oft genug ist das der schnellste Weg in die Katastrophe. Jeder (sic!) möge also selbst entscheiden, ob die hier präsentierte Story eher einem Traum oder einem Alptraum entsprungen ist.

Axel - Die Versuchung page 12

Dazu passen Soft Cell mit „Tainted Love“ und ein Glass Stilles Wasser!

© der Abbildungen 2019 Axel, Dynamite | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2026

Simenon, Fromental/Yslaire – Der Schnee war schmutzig

Ein „Roman Dur“

Story: Georges Simenon, Jean-Luc Fromental

Zeichnungen: Bernard Yslaire

Originaltitel: La Neige était sale

Carlsen Comics
Hardcover | 104 Seiten | Farbe | 24,00 €
ISBN: 
978-3-551-80637-6

Cover Simenon - Der Schnee war schmutzig

Comic-Adaptionen von erfolgreichen Krimis waren schon immer ein Bestandteil des erfolgreichen Spektrums. Deutsche Leser*innen mögen sich noch an Derrick, Schimanski oder Wilsberg erinnern, die alle als Bildgeschichte in den Regalen standen. Auch international reüssiert dieses Genre gerade wieder: In Serie erscheinen Umsetzungen der Romane von Agatha Christie, die Werke nach Leo Malet werden neu aufgelegt. Nun also auch Gerges Simenon! Der 1989 verstorbene belgische Schriftsteller war noch erfolgreicher als der ebenfalls vielschreibende Henri Vernes. Die meisten werden Simenon wohl aufgrund seiner Krimis mit Kommissar Maigret kennen; er hat daneben aber auch eine Vielzahl von anderen Büchern geschrieben, darunter 117 sogenannte Roman Durs.

Gewalt und Mord in einer besetzten Stadt

Der Schnee war schmutzig wird als einer der besten Romane von Simenon bezeichnet und mit existenzialistischen Werken untern anderem von Camus verglichen. Brauchte der Autor normalerweise rund zwei Wochen, um einen Roman zu schreiben, ließ er sich für diesen sogar drei Wochen Zeit. Das Ergebnis ist ein desillusionierendes Werk. Der „Held“ ist ein 18-jähriger Sohn einer Bordellbetreiberin. Sein Leben besteht darin, gefühllos durch diese Welt zu gehen, mit Frauen zu schlafen, Gaunereien zu begehen, sich zu betrinken und schließlich auch, Menschen umzubringen.

Zunächst scheint dabei alles glatt zu gehen, er bekommt sogar eine Bestätigung, dass die Besatzungsmacht ihm freie Hand und freies Geleit gewährt. Obwohl Frank Friedmaier keine Ziele hat und eigentlich auch keinen Antrieb hat, lebt er so ein recht sorgloses Leben, verachtet gleichzeitig aber diese Sicherheit und alles um ihn herum. Neudeutsch ein echter Stinkstiefel!

Simenon - Der Schnee war schmutzig page 5

Doch plötzlich wendet sich das Blatt, die nicht näher definierte Besetzungsmacht verschleppt ihn und beginnt eine sowohl körperliche wie psychologische Foltertortur. Wird es ihm gelingen, nun doch einen Halt im Leben zu finden und zu überleben? Oder wird das eine Böse das andere Böse vernichten? Zudem stellt sich die Frage, wie einige der Personen, deren Psyche und Emotionen Frank ignoriert hatte, sich nun verhalten werden.

Atemberaubend

Die von Fromental für das grafische Medium umgesetzte Geschichte wird von Yslaire kongenial gezeichnet. Schon in den Serien um Sambre war sein melancholischer Stil prägend, Serien wie der XX. Himmel festigten diesen Ruf. Auch hier legt er keinen Wert auf Hochglanzschönheit. Seine Figuren sind rau, haben Macken und sehen dadurch „normal“ aus. Allein ihre Erlebnisse machen sie unverwechselbar.

Die Stadt zeigt sich in einem grauen Winterkleid: düster, kalt und feindselig. Die Wohnungen und Kneipen sind von einem niedrigen Standard und haben alle schon bessere Zeiten gesehen. Allein das Gefängnis und seine Umgebung machen einen sanierten Eindruck und stellen dadurch einen grotesken Widerspruch zur in ihm ausgeübten Brutalität dar.

Simenon - Der Schnee war schmutzig page 6

Noir vom Feinsten

Simenon steht bei den Meisten wohl noch in der „Krimi-Ecke“. Sein Maigret ist es auch immer noch wert, gelesen oder gesehen zu werden! Der Schnee war schmutzig ist aber eine andere Nummer: dunkel, deprimierend, faszinierend und spannend zugleich! Man beobachtet Frank dabei, immer und immer wieder noch einen drauf zu packen. Gleichzeitig ist aber auch die Reaktion der Obrigkeit vollkommen daneben. Das Verhalten der Mutter ist desaströs und dasjenige der missbrauchten Nachbarstochter verstörend.

Das Nachwort von Jean-Luc Fromental, der auch schon Blake & Mortimer nach New York geschickt hat, ordnet diesen Roman Dur etwas ein und beschreibt eine vermutete Intention. Schlussendlich nehmen wir heute aufgrund der vielen anderen Werke Simenon nicht als Existentialisten war. Dieser Band muss den Vergleich mit Camus oder Satre aber nicht scheuen!

Simenon - Der Schnee war schmutzig Umschlag innen

Dazu passen Brigitte Calls me Baby mit „Slumber Party“ und ein Cointreau.

© 1948 Georges Simenon Limited © der Abbildungen 2024 Fromental – Yslaire – Dargaud Benelux (Dargaud-Lombard s.a.) | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Segura/Miralles – Eva Medusa

Gesamtausgabe

Story: Antonio Segura

Zeichnungen: Ana Miralles
Originaltitel:
 Eva Medusa – Intégrale

schreiber & leser

Hardcover | 144 Seiten | Farbe | 29,80 €
ISBN: 
978-3-96582-219-1

Cover Eva Medusa Gesamtausgabe

Eine Geschichte über das gefährliche Thema: Frau beherrscht Mann. Wenn ein Mann einer Frau hörig ist, muss eine übersinnliche Macht dahinterstehen, ansonsten ist es doch unmöglich. Im Falle dieser Geschichte, die in Südamerika spielt, ist es Voodoo. Nun ja, die Frage, ob das sogenannte „starke Geschlecht“ nicht einfach auch viele unfähige, arrogante und sich selbst für das Zentrum ihrer Welt haltende Mitglieder hat, wird hier nicht explizit gestellt.

„Das Gift“

Die Geschichte spielt in Brasilien. Die Tochter eines reichen, verwitweten Gutsherrn kommt nach einer Zeit in einem klösterlichen Internat zurück auf die Hacienda ihres Vaters. Dort beobachtet sie den Verwalter ihres Vaters, wie er sich mit Angestellten vergnügt. In ihrer Wut und in ihrer kindlichen Enttäuschung über die gefühlte Zurückweisung des von ihr angeschwärmten Mannes zertrümmert sie eine von ihm bekommene Puppe. Diese Wut scheint eine Tür zu öffnen. Einerseits spürt der Mann plötzlich Schmerzen, die denen der Puppe entsprechen, andererseits wird Anhängerinnen des lokalen Voodookultes klar, dass die Tochter wie schon ihre Mutter ein empfängliches Medium ist.

In einer Zeremonie wird die Tochter geweiht, vereinigt sich mit einer großen Schlange und wird zu Eva Medusa. Diese erinnert an die antike Gorgone, deren Haar aus Schlangen bestand, und hat die Gabe, sich Männer komplett hörig zu machen. Männer, die sie einmal verführt hat, können danach keine andere Frau mehr lieben.

Eva Medusa Gesamtausgabe page 21

Der Verfall des Verwalters, das Geheimnis des Vaters, dessen Frau ebenfalls zu Eva Medusa geworden war, die Unehrlichkeit von zwei katholischen Priestern, die deswegen ebenfalls der Sünde ein leichtes Opfer bieten, und die allgemeine Stimmung der damaligen Zeit in diesem von Klassengegensätzen getriebenen Land vermengt Antonio Segura zu einer spannend zu lesenden Geschichte in drei Bänden, die hier komplett abgedruckt werden.

Farbenfroh und dynamisch

Ana Miralles hat schon mehrfach, etwa in Ava oder Djinn, bewiesen, dass sie eine spannende Erzählung umsetzen kann. Sie ist dabei in der Lage, Frauen respektvoll in erotischen Szenen darzustellen, die sie entweder klar als dominierende Figur darstellen, oder aber zumindestens ihre Würde respektiert. Hier sind die Frauen die treibenden Kräfte, die Männer und Gesellschaft beherrschen, auch wenn das Geschäftliche in Männerhänden liegt.

Und so wechseln sich Alltagsbegebenheiten, Liebesszenen, kultische Handlungen, und Actionszenen munter ab. Stehen Männer im Vordergrund ist fast immer Verzweiflung das Thema: Die Unfähigkeit, den eigenen Anforderungen oder denen von außen zu genügen, die Impotenz (in einer machistischen Gesellschaft), oder die Hingabe an eine vernichtende Sucht. Alle diese Punkte werden durch Körperhaltung und Kolorierung verstärkt und bilden einen scharfen Gegensatz zu der keinesfalls „heilen“ aber mächtigen Position der Frauen. Wer also eine Vorlage für männliche Fantasien erwartet, wird hier umdenken müssen!

Eva Medusa Gesamtausgabe page 22

Ein aus der Masse hervorstechender Titel!

Erotik-Comics, Comics für Erwachsene, Adult-Segment, … Schlagworte, die man als Leser*in aktuell bei einer Vielzahl von Comic-Verlagen findet. Das Angebot, das teilweise Grenzen in einem Masse überschreitet, die vor einigen Jahren noch zum Einsatz von hunderten von uniformierten Beamten geführt hätte, ist fast schon nicht mehr überschaubar. Und natürlich werden in solchen Situationen auch verlegerische Entscheidungen getroffen, die nur den fiskalischen Deckungsbeitrag im Auge haben, oder sich tatsächlich auch als Fehlgriff entpuppen können.

Eva Medusa gehört zu den Titeln, die sicherlich weder dem schnellen Konsum dienen noch zu denen, bei denen die Qualitätskontrolle versagt hätte. Die Story versucht nicht zu erklären, versteckt aber trotzdem eine Menge an Kritik zwischen ihren Zeilen und die respektvollen und doch deutlichen Zeichnungen von Ana Miralles verstärken diesen Eindruck.  Das einzige Manko für mich bei diesem Band ist der im Vergleich zu Djinn fehlende Anhang mit Texten über Hintergründe und Prozess. Es gibt im Übrigen auch eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit dem folgenden Motiv als Druck!

Druck der Eva Medusa Gesamtausgabe VZA

Dazu passen die Broilers, etwa „Zurück zum Beton“, und ein Espresso Martini.

© der Abbildungen Editions Glenat 2013 by Antonio Segura & Ana Miralles | 2025 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

Sirius/Walthéry – Natascha 24

Die Piraten aus der Stratosphäre

Story: Francois Walthery -& Sirius
Zeichnungen: Francois Walthery

Originaltitel: Chanson d´Avril

Salleck Publications

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 14,00 € | ISBN: 978-3-89908-828-1

Cover Natascha 24

Natascha ist eine der sehr erfolgreichen Serien, die für ein jugendliches Publikum geschrieben, Frauen als Handlungsträgerinnen einsetzten. Viele andere Serien aus dieser Zeit richteten sich dagegen an ein erwachsenes Publikum. Geblieben sind Yoko Tsuno und eben Natascha. Das gerade erschienene 24. Abenteuer ist erneut – wie schon die letzten beiden – eine Adaption eines Szenarios von Sirius aus der Serie „Der blaue Sperber“. Das Original erschien bereits 1949, die Bearbeitung hat es aber leicht modernisiert.

Piraten aus luftiger Höhe

Während Natascha und Walter ihren Dienst auf einem interkontinentalen Nachtflug ableisten, passiert üblicherweise nicht viel. Zwar gibt es einen Passagier der als Running Gag alle paar Seiten ein weiteres Bier haben möchte und Walter zur Verzweiflung treibt, ansonsten gibt es aber viel Zeit, die es der Stewardess erlaubt, eine Geschichte vorzulesen. Diese wiederum ist das Original von Sirius, das Walthéry so in seinen Standard überführt hat. Er hat allerdings die Personen ersetzt und so sind Nataschas Großmutter und Walters Großvater zusammen mit dem kleinen Chacha auf der Heimreise mit dem blauen Sperber, einem kleinen Segelboot.

Sie werden dabei fast und ohne Warnung von einem Luxusliner gerammt. Natürlich wollen die Drei der Sache auf den Grund gehen, kommen an Bord, und müssen feststellen, dass alle auf dem Boot zu schlafen scheinen. Alle, nein, denn der Erste Offizier ist wach und beschuldigt unsere Held*innen, den Passagieren ihre Wertsachen entwendet zu haben. Sie werden festgesetzt und den Behörden übergeben.

Natascha 24 page 7

Natürlich müssen sie wieder freigelassen werden und genauso natürlich lassen sie die Sache nicht auf sich beruhen. Gut vorbereitet schiffen sie sich erneut ein und machen Bekanntschaft mit den Piraten aus der Stratosphäre. Spannende Geschichte, die ein wenig wie ein Bond-Abenteuer wirkt und dementsprechend auch ein bisschen zu viel Piff-Pum-Bäng mit sich bringt. Immerhin bleibt die Geschichte dabei halbwegs technisch möglich.

Auch im Alter noch nichts verlernt

Francois Walthéry kann es noch! Seine Figuren stimmen, ihre Bewegungen sind sogar im Vergleich zu den Ursprüngen der Serie etwas dynamischer geworden und die Hintergründe sind detailliert wie eh und je. Viele Szenen sind extrem handlungsorientiert und die Zeichnungen nehmen die Dynamik gut auf. Dazu baut Walthéry viele kleine Reminiszenzen an andere klassische frankobelgische Serien ein. Wer mag, darf im Kommentar zu dieser Besprechung seinen/ihren Tipp abgeben, wie viele es denn sind …

Natascha 24 page 8

Und auch der Kunstgriff, zwei Generationen gleichzeitig handeln zu lassen, gelingt. Alles, was dafür notwendig ist, ist ein anderer Hintergrund! Immer noch eine lesenswerte (und anschauenswerte) Sache! Bei Weltherrschaftsplänen ist es nicht verwunderlich, dass auch Nazis mit dabei sind. Ihre Darstellung als Deppen macht immer wieder Spaß!

Ein lebendiger Klassiker

Natascha als Serie hat jetzt mehr als 45 Jahre auf dem Buckel, andere haben dann die Arbeit bereits seit langem eingestellt bzw. die Serie an andere übergeben. Aus qualitativen Aspekten besteht hier kein Grund dafür und mit dem Kunstgriff, funktionierende Geschichten zu adaptieren, besteht auch keine Gefahr, sich selbst ständig zu wiederholen.

Detail Natascha 24 page 12

Für Fans der 70-er Serien aus dem Spirou-Magazin immer noch ein guter Tipp. Aber auch, wer die Serie noch nicht kennt, die Ecolé Marcinelle aber mag, sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren: eine toughe, aber glaubwürdige Heldin, ein leicht vertrottelter Partner und Spannung – was will man mehr für die kleine Flucht aus dem Alltag!

Dazu passen The Distillers, und – natürlich – ein Dosenbier!

© der Abbildungen DUPUIS 2025, by Walthéry, Sirius / 2025 Eckart Schott Verlag

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 8

Das Tal der Klapperschlangen

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
Échec à la main noire & La Vallée des Crotales

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 80 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-50-2

Cover Bob Morane Classic 8

Während die meisten Bob Morane-Geschichten zunächst in einem Magazin für Frauen mit jeweils ein oder zwei Seiten vorabgedruckt wurden, gab es einige wenige, die in einer belgischen Tageszeitung mit einem täglichen Streifen erschienen. Naturgemäß erforderte dieses Medium einen anderen Flow, musste es doch jeden Tag neu die potenziellen Leser*innen dazu animieren, auch am folgenden Tag Het Laatste nieuws zu kaufen. Dieser Band vereint jeweils ein Beispiel!

Ein Krimi und ein Western

Die erste Geschichte, Schach der schwarzen Hand, ist aus mehreren Gesichtspunkten heraus außergewöhnlich. Das Sujet klingt vertraut: Bill und Bob geraten auf der Straße in eine Schlägerei, retten eine (junge und hübsche) Frau und erfahren, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Selbstverständlich wollen die beiden Helden ihr helfen, geraten dabei in Schwierigkeiten und bekommen es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Hier geht es um die Mafia, ein großes Erbe und eine Quest. Wie immer meistert Vernes die Geschichte und hält die Leser*innen bei der Stange.

Während üblicherweise eine ganze Seite zur Verfügung steht, einen Strang zu entwickeln, bleiben bei Tagesstreifen aber nur 2 bis maximal 4 Bilder, um anzuknüpfen, weiterzuführen, und einen Cliffhanger zu präsentieren. Zudem waren die Originale verschollen. Und so wurden aus den schwarz-weißen Zeichnungen von Gérald Forton ihnen nachempfundene farbige von Jacques Géron.

Bob Morane Classic 8 page 3

Im Tal der Klapperschlangen haben unsere Bekannten eine Panne inmitten einer amerikanischen Wüstenlandschaft. Sie geraten in einen Streit zwischen weißen Farmern und der indianischen Besitzerin einer Ranch und beziehen Stellung, obwohl beide Seiten das eigentlich gar nicht wollen. Hübsche Geschichte, die traditionellen Pfaden folgt, sie aber nett kombiniert.

Eine besondere Form der Gesamtausgabe

Bei älteren Comics stellt sich generell die Frage nach der Qualität der Vorlagen. Der Taschen-Verlag hat für seine Libraries eine sehr aufwendige Reproduktionstechnik gewählt und die Modesty Blaise-Ausgabe enthält teilweise Scans von Zeitungsveröffentlichungen. Für die Geschichte mit der schwarzen Hand ging der damalige Verleger Claude Lefrancq 1992 einen zeitgemäßen Weg: Er bat einen bekannten Zeichner, neue Panel im Stile des alten anzufertigen. Jede*r möge selbst urteilen, ob das „gut“ ist. Meiner Meinung nach ist es jedenfalls gut genug, ermöglicht es doch auch anderen Fans von Bob Morane, die Geschichte lesen zu können. Zudem fällt die Geschichte als Strip sowieso aus dem Rahmen. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Gesichter etwas anders aussehen.

Bob Morane Classic 8 page 4

Das Tal der Klapperschlangen ist dagegen eine sehr typische Veröffentlichung. Forton besaß bereits genügend Routine mit den Hauptfiguren, um sich auf Details und Landschaften konzentrieren zu können.

Bergfest

Fünfzehn Bände sind in der Bob Morane Classic Edition geplant, gut die Hälfte ist jetzt erschienen. Während die Bände von Vance und Coria in Deutschland schon häufiger eine Heimat gefunden hatten, waren die von Attanasio und Forton fast komplett unveröffentlicht. Fans des unverwüstlichen Helden, der mittlerweile in seinem siebten Jahrzehnt steht, finden hier eine sorgfältige Veröffentlichung mit bibliographischen Angaben im Hardcover.

Bob Morane Classic 8 page 5

Zusätzlich gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für fünf Bände.

Dazu passen The Kinks etwa mit „You really got me“ und ein 19 Crimes – The Uprising.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Guez/Francq – Largo Winch 25

Wenn die Götter dich verlassen …

Story: Jérémie Guez

Zeichnungen: Philippe Francq
Originaltitel:
 Si les dieux t´abandonnent …

schreiber & leser

Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 16,95 € ISBN: 978-3-96582-216-0

Cover Largo Winch 25

Largo Winch ist der Erbe eines profitablen multinationalen Firmen-Konglomerats. Immer wieder gerät er in Schwierigkeiten, weil ihm sein Reichtum geneidet wird, Angestellte seiner Firmen die ethischen Grundlinien nicht einhalten wollen, oder seine Abenteuerlust ihn irgendwo hineinzieht. Erfunden wurde die Figur 1973 als Romanheld von Jean Van Hamme bevor sie dann 1989 als Comicfigur weiterentwickelt wurde. Die Serie besteht jeweils aus zwei Bänden, die zusammengehören. Die ersten 20 sind als Doppelband erhältlich.

Humanitäre Drohnen

Bedingt durch den Ukraine-Krieg gibt es eine sehr starke Korrelation zwischen Drohnen und Angriffswaffen in unseren Gedanken. Daneben schwebt vielleicht noch die Idee der Lieferdrohne. Sowohl Dienstleister wie Amazon als auch Lieferando-artige Anbieter zum Beispiel in China setzen diese bereits täglich ein. Bis wir sie hier in Deutschland zu sehen bekommen werden, vergehen aber wohl noch Jahrzehnte… Im ersten Teil des neuen Doppelabenteuers, das erstmals aus der Feder von Jérémie Guez stammt, geht es um Drohnen, die humanitären Zwecken dienen sollen.

Dazu zählen etwa Einsätze nach Naturkatastrophen, aber auch die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten in kriegerischen Situationen. Aurora Dynamics, eine Winch-Firma, ist einer der Produzenten. Gleich auf den ersten Seiten des Bandes findet Largo allerdings den Firmengründer von Aurora tot auf einem Schiff. Seine überlebende Tochter wird den Helden im Folgenden begleiten.

Largo Winch 25 page 7

Der Verdacht auf eine größere kriminelle Aktivität wird dadurch verstärkt, dass auch die Mutter, ebenfalls leitend in der Firma beschäftigt, vor wenigen Tagen bei einem Unfall verstorben ist. Guez nimmt das Setting der Serie gut auf und verknüpft Wirtschaftsthemen und Technik mit Kriminalität. Die Abläufe werden gut entwickelt, die Schauplätze sind ideal gewählt und die Nebenfiguren passen ebenfalls. Langjährige Leser*innen werden begeistert sein, Neulinge können jederzeit einsteigen!

Frankobelgischer Realismus

Philippe Franck ist die Konstante der Serie, er liefert jetzt bereits seinen 25. Band ab! Von daher gibt es natürlich auch keinen Bruch. Actionlastige Szenen wechseln sich mit Darstellungen grandioser Natur oder großstädtischer Architekturen ab. Dabei ist anzumerken, dass Francq motorisierte Szenen zwar bevorzugt, aber auch die Königsklasse der Reiterei beherrscht. Seine Bilder vom Polo sind außergewöhnlich gut!

Largo Winch 25 page 8

Fans schätzen des Weiteren die ständig wechselnden Kulissen. In diesem Band kommt eine kleine Felseninsel zu ihrem Auftritt und sowohl das moderne als auch das traditionellere Indien wird gezeigt. Auch die drei Cheffinnen des indischen Singh-Clans könnten gegensätzlicher nicht sein.

Eine gelungene Staffelübergabe!

Das Konzept der Serie und auch ihr Spirit werden durch den Wechsel im Szenario nicht verändert. Natürlich geht die Serie mit der Zeit, der Westen ist schon lange nicht mehr führend. Das wird auch hier deutlich, die Winch-Gruppe ist zwar schon immer international gewesen, steht aber für die alte Welt. Die Kooperationspartner kommen aber mittlerweile aus dem Süden oder dem Osten.

Wer auf Wirtschaftsthriller steht, sollte die Serie kennen (und lieben) und darf ob des Wechsels beruhigt sein. Wer sie jedoch nicht kennt, sollte unbedingt reinschauen!

Dazu The Jam  (R.I.P.) mit “That’s Entertainment“und ein Old Fashioned.

© der Abbildungen DUPUIS 2025 | 2025 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

Jahresrückblick 2025 – Die besten Comics

Und wieder: Die besten Titel des Jahres und ein wenig mehr

Was für ein Jahr: Kriege laufen weiter und Bewohner*innen, die Natur und die weltweite Stimmung leiden darunter. Es scheint fast so, als ob wir uns im vorletzten Teil einer Serie befinden würde, in der alles auf den abschließenden Kampf „Gut“ gegen „Böse“ hinausläuft. Leider auch mit dem üblichen Twist, dass bisher für „Gut“ gehaltene Spieler plötzlich die Seite wechseln. Nun ja, aufgeben gilt nicht.

Drei Jahre ist es jetzt her, dass ChatGPT auf den Markt kam. Die Ausmaße der disruptiven Wirkung auf das gesamte Publishing sind noch nicht abzusehen, aber viele Kreative und Verlage mussten bereits feststellen, dass Ignoranz in diesem Falle nicht weiterhilft. Auch hier bleibt es spannend.

comix-online Reporter
Immer für euch unterwegs

Viele Leser*innen dieser Seite gehören der Generation der Boomer an. Während sich damit einerseits die Rente schon als Lebenswahrheit darstellt oder zumindest innerhalb der nächsten fünf Jahre darstellen wird, sterben immer mehr „alte Bekannte“ aus Kunst und Politik, die unsere Jugend geprägt haben. Wie gut, dass es wenigstens immer wieder Neu-Veröffentlichungen von Klassikern gibt…

Ein wenig Eigenlob muss sein: Mehr als 110.000 direkte Zugriffe auf einzelne Artikel stellen ein Wachstum von 10% gegenüber dem letzten Jahr dar. VIELEN DANK! Wie immer freue ich mich über Feedback und Kritik. Ich werde allerdings nicht aufhören, zu gendern. Das Ergebnis meiner Tätigkeiten war auch in diesem Jahr wieder in diversen Ausgaben des ZACK, im ZACK-Sonderheft und in der Sprechblase zu lesen. Übersetzungen fanden sich in den (sehr empfehlenswerten) Integralen von Sammy & Jack und der Zentauren (nur redaktioneller Teil) sowie bei der deutschen Ausgabe von Nicky Saxx.

Die besten Comics

Nun aber zu meiner ganz persönlichen Auswahl der Top-Titel des Jahres. Viele andere Titel sind trotzdem empfehlenswert. Es lohnt sich also immer noch, in die einzelnen Besprechungen zu schauen.

Der beste Comic des Jahres ist eine ganz alte Kamelle (wie war das mit den prägenden Einflüssen der Jugend?): Der erste Band von Sgt. Kirk von Héctor Oesterheld und Hugo Pratt. Der Western in schwarz-weiß vereinbart Kritik an den herrschenden Verhältnissen und dem Status Quo, Humor, Absurditäten, Spannung und eine herausragende Behandlung des doch wieder häufig vertretenen Genres. Zudem sind die reduzierten Zeichnungen von Pratt oftmals genial, nie aber schlecht.

Cover Sgt. Kirk 1

Platz 2 geht ebenfalls an einen Klassiker, allerdings einen junggebliebenen! Der 41. Asterix, Asterix in Lusitanien, vereint halbwegs zeitlos verpackte Anspielungen auf Politik und Zeitgeschehen, überspitze, aber sympathievolle Darstellungen der den Portugies*innen zugeschriebenen Eigenschaften und viel Humor. Während Didier Conrad mittlerweile so gefestigt ist, dass er eigene Akzente im Stil von Uderzo setzen kann, beweist Fabcaro in seinem zweiten Streich, dass die Wahl zu Recht auf ihn gefallen ist.

Und noch eine alte Kamelle: Auf Platz 3 kann sich ein alter Koralle-ZACK-Held platzieren: Häuptling Feuerauge kämpft mit allem und meistens verliert er. Die beiden ersten Jahre inklusive der Sonntagsseiten in einem Album. Leider hat sich der Band nicht so gut verkauft, dass eine Fortsetzung zu erwarten ist.

Platz 4 ist wieder eine Neuerscheinung, und zwar eine der wenigen, die mich komplett überzeugt haben: Habeamus Bastard ist eine Mischung aus Thriller, Noir und – trotz allem – Humor, ja, sogar Slapstick. Schwartzmann und Vallée zeigen, dass man auch in Zeiten des Streaming-Serien-Überflusses noch intelligente und neue Inhalte ohne bewegte Bilder erzeugen kann.

Platz 5 geht an einen Comic, der in Deutschland noch gar nicht erschienen ist, möglicherweise auch nie erscheinen wird. Die Amoras-Saga ist mittlerweile bei ihrer dritten Serie angekommen: De Helden van Amoras konzentrieren sich wieder mehr auf Suske und Wiske und ihr Verhältnis zueinander. Das Cover sorgte für Herzanfälle und Verzweiflung, zeigte es die Beiden doch bei einem innigen Kuss. Natürlich ist alles ganz anders, aber das wäre ein Spoiler.

Die besten Graphic Novels

Bitte verzeiht mir die etwas willkürliche Trennung zwischen Comics, Graphic Novels und Gesamtausgaben. Ich habe die für mich passendste Zuordnung getroffen, bin mir aber bewusst, dass man das auch ganz anders machen könnte.

Platz 1 geht in diesem Jahr an einen deutschen Titel: Rude Girl von Birgit Weyhe. Ja, ich weiß, dass er eigentlich in 2024 gehört, er ist aber nun Mal erst in 2025 bei mir aufgeschlagen und ich möchte ihn keineswegs unterschlagen. Es geht um eine Migrantin aus der Karibik, die ihre Jugend in den USA verbringt. Äußere Zwänge, traditionelle Erwartungen und rassistische Alltäglichkeiten bestimmen ihr Leben, bis sie sich zu einem Leben als Rude Girl entscheidet. Die Skinhead- und Punk-Subkultur gibt ihr Halt und lässt ihr Raum für ihre eigene Entwicklung. Auf einer Metaebene geht es darum, ob und wie eine Weiße das Leben einer Migrantin beschreiben kann und darf.

Cover Weyhe - Rude Girl

Platz 2 geht an einen Spätwestern. Wiedersehen mit Comanche von Romain Renard ist einerseits eine Weiterführung der von Greg und Hermann entwickelten innovativen Westernserie Comanche über einen ehemaligen Revolverhelden der geläutert auf einer Farm hilft. Dabei verliebte er sich in die Farmbesitzerin und tötet schließlich einen extrem grausamen Gangster. Da dieser bereits entwaffnet war, musste der Held fliehen. Nun wird er Jahrzehnte später aufgespürt und soll einer Autorin Auskunft über das vergangene Zeitalter geben. Selten habe ich eine gleichzeitig so schonungslose Abrechnung mit den alten Träumen wie sorgsame Annäherung an komplexe Persönlichkeiten gelesen. Die in Grautönen gehaltene Geschichte passt in die literarische Tradition der gesellschaftlichen Dekonstruktion der Mittelklasse, spielt allerdings in etwas früherer Zeit als üblich.

Platz 3 ist eine Mischung aus Horror und Antikriegsballade und spielt während des Ersten Weltkrieges. Die Ballade vom Soldaten Odawaa erzählt von den Schrecken des Krieges und der psychologischen Kriegsführung. Sie zeigt einen in einer kanadischen Einheit kämpfenden Indianer, der sich fast unbemerkt in Stellungen bringen kann, die es ihm erlauben zu töten. Christian Rossi zeigt in düsteren Bildern den Schrecken auf beiden Seiten der Frontlinie, Cédric Apikian hat sich von tatsächlichen Begebenheiten zu dieser Story inspirieren lassen.

Die besten Gesamtausgaben

Auch bei den Gesamtausgaben stehen eher ältere Serien im Vordergrund. Die beste GA des Jahres ist aber eine aktuelle Geschichte, die in den letzten drei Jahren im ZACK vorabgedruckt worden war: Das Mädchen von der Weltausstellung verknüpft historische Fakten mit einer Soap-Geschichte. Ursprünglich auf fünf Bände angelegt, konnten nur drei erscheinen bevor der Zeichner verstarb. Sie nehmen jeweils eine der Weltausstellungen in Paris zum Anlass, das Leben von Sophie Kleinnagel zu schildern. Sie lebt in einem Wohnwagen von der Wahrsagerei und gerät jeweils in eine Kriminalgeschichte. Zudem ändern sich die Beziehungen ihrer Mitmenschen zu ihr, entwickelt sie sie doch vom kleinen Kind zu einer jungen Frau, die Begehrlichkeiten weckt.

Cover Mädchen von der Weltausstellung Gesamtausgabe

Platz 2 und 3 kommen aus dem gleichen Verlag. Der Taschen-Verlag hat sich in den letzten Jahren zu einem Spezialisten für XXL-formatige Wiederveröffentlichungen von Klassikern der Comic-Geschichte entwickelt. Zunächst wäre da Band 1 der EC Comics Library mit dem ersten Band der Weird Science Ausgaben von 1950 -1952. Science-Fiction Stories mit grandiosem Artwork und einem typischen Twist in der Geschichte, der sie zu zeitlosen Perlen macht. Ein Coffee-table-book der Extraklasse. Man sollte dem Besuch allerdings nicht erlauben, sich darin zu vertiefen, denn dann ist es aus mit der Verabredung.

Das gleiche Format und Prinzip der sorgfältigen Reproduktion der klassischen Veröffentlichung wurde auch bei der Disney Comics Library angewendet. Der erste Band von Carl Barks’s Donald Duck präsentiert Schätze aus Four Color Comics zwischen 1942 und 1950. Natürlich kennen wir diese Geschichten, haben sie möglicherweise sogar schon mehrfach zu Hause, aber meistens in der deutschen Übersetzung und nicht im Original. Dieses bietet aber einen deutlich anderen Lesegenuss als die auf deutsche Bildungsbürger ausgerichtete Qualitätsarbeit von Erika Fuchs und ihren Adepten. Beide Bände sind übrigens auf den Quadratzentimeter umgerechnet echte Schnäppchen, haben aber ihren Preis. Trotzdem sind sie ihn wert!

Die besten Sekundärwerke

In jedem Jahr vertreten, dieses Jahr mal wieder auf Platz 1: Die Reddition hat – wohl zum letzten Mal – zwei Ausgaben in einem Jahr geschafft: Während es in der ersten Jahreshälfte um Autos im Comic ging, widmete sich die Winterausgabe dem 2024 verstorbenen André Juillard. Dem Team um Volker Hamann gelingt es immer wieder, extrem detailreich zu informieren, ohne dabei in eine akademische Langatmigkeit zu verfallen. Die Artikel werden durch Illustrationen, Fotos und Listen sinnvoll ergänzt und sind ein Must-Have für alle, die sich tiefer mit ihrer Leidenschaft beschäftigen wollen. Für Abonnent*innen gibt es jeweils eine limitierte Beilage.

Zu Platz 2 gibt es leider keine Rezension, ich habe es nicht geschafft, diese Masse an Informationen, Statements und Wertungen in eine halbwegs überschaubare Besprechung zu packen. Trotzdem ist Black Comics von Alexander Braun erneut ein Meisterwerk! Der Autor bezieht klare Positionen, begründet sie aber sehr nachvollziehbar und füllt fast nebenbei die Seiten mit einer Masse von Informationen, die ihres Gleichen sucht. Egal ob Blackfacing, „Indianer-Debatte“, Superhelden, Gay & Porn oder graphic novel, alle Bereiche finden ihre Erwähnung. Wie immer sollte jede Veröffentlichung von Alexander Braun ihren Weg ins Regal finden. Wenn möglich, sollte man den Lesegenuss mit einem Besuch in den begleitenden Ausstellungen im schauraum in Dortmund kombinieren. Aktuell läuft dort eine Lucky Luke Ausstellung (natürlich ebenfalls mit einem Katalog).

Platz 3 geht an Deutschlands größtes Magazin für klassische Comics, die Sprechblase. Gerhard Förster hat mit der 250. Ausgabe noch einmal alles gegeben. Mittlerweile ist der Staffelstab an ein neues Team überreicht worden. Wie immer ist viel zu viel auf den Seiten untergebracht worden und für manche Abbildung wäre eine Lupe hilfreich. Aber genau diese Liebe zu den Details machte den Reiz der Förster-Ausgaben aus.

Die besten Magazine

Gibt es eine Überraschung in dieser Kategorie? Nein, nicht wirklich.

Platz 1 geht wie im Vorjahr an das ZACK. Das Magazin hat mittlerweile sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert (mit einer kleinen Unterbrechung) und ist in der aktuellen Form bei der Ausgabe 318 angekommen. Die Mischung aus traditionellen, runderneuerten Serien wie Michel Vaillant oder Rick Master und neuem Material wie etwa Rani oder Amoras ist auf dem deutschen Markt einzigartig. Die von euch meistgeklickte Nummer war die 310 aus dem April, Platz 5 der Jahrescharts! Das ZACK-Sonderheft hat sich mittlerweile ebenfalls etabliert und erscheint zweimal jährlich.

Totgesagte leben länger: Das ZEBRA hat zwar sein Erscheinen eingestellt, hat aber ein Ferien-Sonderheft herausgebracht. Diese Idee, an alte Traditionen anzuknüpfen und eine Rahmenhandlung um viele Absurditäten zu knüpfen gefällt! Die Zebras beweisen Jahr um Jahr, dass Independent auch ohne Sex und Superkräfte in Deutschland funktionieren kann. Platz 2 ist damit redlich verdient.

Für Platz 3 hat sich ein deutsches Eigengewächs qualifizieren können das ebenfalls in diesem Jahr Geburtstag gefeiert hat: Das mosaik hat nun 600 Ausgaben auf dem Buckel, die Zeitschrift gibt es seit 70 Jahren und die Helden, die drei Abrafaxe, werden 50. Empfohlen von der Stiftung Lesen bieten die Hefte nicht nur kindgerechte Stories mit viel historischem Hintergrund, sie haben auch immer einen redaktionellen Teil mit erläuternden Artikeln, Spielen, Experimenten und Kochrezepten. Der Inhalt kann aber auch von Erwachsenen mit einem etwas anderen Verständnis gelesen werden. Zu Recht eines der erfolgreichsten Comicprojekte hierzulande!

Und dann ist da noch …

Der Tradition dieser Rückblicke folgend fehlt noch eine besondere Erwähnung. Diese geht in diesem Jahr nicht an den neuen Trend der Erotik-Comics, obwohl es durchaus bemerkenswert ist, was man heutzutage öffentlich verkaufen kann. Noch vor wenigen Jahren wären Indizierungen und Prozesse gefolgt.

Ich möchte vielmehr auf einen Klassiker hinweisen, der nun wieder erhältlich ist: Section R  von Raymond Reding. Damals im Koralle-ZACK waren einige Geschichten abgedruckt worden, allerdings nicht immer in der richtigen Reihenfolge. Die Albenveröffentlichung macht das jetzt besser. Die Stories handeln von einer Agentur mit zwei Partner*innen, die Missstände im Sport wie etwa Doping oder Wettbewerbsbetrügereien aufdecken. Der Geist der 60-er bestimmt die Zeichnungen und das Tempo, die Inhalte sind leider immer noch aktuell.

Cover Section R 1

Eure Lieblinge

Zum Schluss wie üblich die Charts der Zugriffe:

Ganz oben steht Hägar. Der Beitrag aus dem Jahr 2022 hat auch in 2025 die meisten Leser*innen angezogen.

Cover Hägar Gesamtausgabe 1973

Platz 2 geht an den Rückblick auf 2024. Die Jahreszusammenfassung gibt eine gewichtete, persönliche Empfehlung.

2025 war wieder ein Asterix-Jahr. Die begleitende Berichterstattung erhielt über das ganze Jahr die drittmeisten Zugriffe.

Auf Platz 4 folgt der erste Erotiktitel: Thrax von Trif verknüpft eine Geschichte aus dem alten Rom noch expliziter mit sexuellen Handlungen als üblich, hat aber trotzdem noch eine sehr komplexe Handlung. Auf Platz 5 dann das beste ZACK: die Nummer 310. Fast alle Ausgaben sind hoch platziert, werden aber nicht einzeln aufgeführt.

Auf den Plätzen 6 bis 10 folgen Der fünfte Band des Sammy und Jack Integrals, Band 3 der neuen Minimenschen Gesamtausgabe, der zweite Band der Djinn Sammelbände, Sgt. Kirk und Band 12 der zweiten Staffel von Michel Vaillant.

Wie immer also eine bunte Mischung. Für das kommende Jahr wünscht comix-online allen Leserinnen und Lesern einen guten Start, viel Erfolg und Gesundheit. Hoffentlich bleibt uns die Hoffnung auf eine friedliche, gerechte und erhaltenswerte Zukunft erhalten!

© der Abbildungen bei den jeweiligen Zeichner*innen und Verlagen

ZACK 319 (Januar 2026)

ZACK 319

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 319

Das neue Jahr hat zwar noch nicht angefangen, die ersten Vorboten sind aber schon da; So ist die Januar-Ausgabe das ZACK-Magazin bereits bei den Abonnent*innen eingetroffen und in den Läden erhältlich. Zum Jahresanfang gibt es gleich drei Serienstarts, zwei davon sogar erstmals im ZACK – Nun ja, Ray Ringo ist eigentlich ein alter Koralle-Bekannter, erlebt aber gerade einen Relaunch. In diesem Heft befindet sich auch das Papier-Formular zur Wahl der ZACK-Serie des Jahres. Wer will kann aber natürlich auch online abstimmen.

Die Neustarts

Coverboy und Opener ist das bereits achte neue Abenteuer von Rick Master. Dieser ist daher der Erste in einer Reihe von gleich vier „klassischen“ ZACK-Serien in diesem Heft. Die Folge beginnt blutig, da Simon Van Liemt gleich zwei Männer auf den ersten Seiten sterben lässt. Zudem würde Nadine gerne der hübschen Reporterin Anne-Aymone, die ihren“ Rick anbaggert, die Augen auskratzen. So weit kommt es aber dann doch nicht. Auf jeden Fall wird Rick in ihrer Sendung herausgefordert. Zidrou schafft es auch in Dead Sugar, das vergangene Paris sehr lebendig auf die Seiten zu bannen.

ZACK 319 page 5

Aus der Versenkung zurückgekehrt ist Ray Ringo. In Devil’s Gate kündigt er allerdings seinen Job bei Wells Fargo, da er auf Grund von Einsparmaßnahmen die Sicherheit der Fahrten nicht mehr gewährleistet sieht. Er willigt jedoch ein, eine Fahrt eines alten Freundes zu begleiten. Éric Corbeyran hat einen Western im alten Stil geschrieben: Postkutschen, Verfolgungsjagden und Schießereien sowie ein Held mit Ehrenkodex, der auf dem Sattel und im Restaurant eine gleich gute Figur macht. Roman Surzhenko beweist nach der Jugend von Durango erneut, dass er das Metier beherrscht. Die Serie startet mit einer Einführung von dem Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 45

Der dritte Neuzugang stammt von Olivier Andrieu. Olivier war einer der führenden SEO-Spezialisten Frankreichs, entschied sich aber für eine Zukunft als Comic-Szenarist. Zusammen mit Alain Julié setzt er Jeff Mistral in Szene, einen Detektiv, der auch von Maurice Tillieux hätte stammen können. Das bedeutet, dass wir ein 60-er Jahre Setting sehen, in dem Autos eine gewisse Rolle spielen, Technik ansonsten aber eher untergeordnet ist. Die Geschichte beginnt etwas unvermittelt mit einer Nahtoderfahrung. Der Jahre später stattfindende Kriminalfall ist ein Diamantenraub, der faktisch unmöglich scheint. Auch hier gibt es eine Einführung vom Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 319 page 55

Die Fortsetzungen

Tanguy & Laverdure stehen aktuell auf unterschiedlichen Seiten eines bewaffneten Konfliktes: Während der Blondschopf die „freie Welt“ in Form einer asiatischen Insel gegen chinesische Provokationen zu verteidigen sucht, dient Tanguy gezwungenermaßen als Ausbilder eben jener Kräfte. Ist das ein Verrat? Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl schildern gewohnt souverän den Konflikt, sparen dabei auch nicht an persönlichen Momenten, die Hintergründe erklären. Sebastien Philippe setzt sowohl Emotionen als auch Flugszenen sauber um. Für Fliegercomic-Fans ein Muss!

ZACK 319 page 19

Auf Amoras nähert sich alles dem Höhepunkt: Jerusalem lässt Wiske allein um endlich ihre Aufgabe ungestört erledigen zu können. Lambik und Blaskop kapern zunächst eine Tram und treffen dann auf eine Gruppe von Flüchtlingen, die die Insel verlassen wollen, bevor der Vulkan ausbricht, und Achiel sinnt über den Sinn. Marc Legendre und Charel Cambré ziehen alle Register, die geeignet sind, eine Katastrophenstimmung zu erzeugen.

Detail ZACK 319 page 31

Der Kampf der amerikanischen Nazi-Truppe gegen den Vaillante-Konzern und Senator Steve Warson steuert auf ein Finale Furioso hin. Tatsächlich will Steve sich selbst als Zielscheibe anbieten um dem FBI zum Erfolg zu verhelfen. Währenddessen kämpft Francoise ihren ganz persönlichen Kampf gegen den Krebs und Elsa ihren beruflichen auf der Strecke als Ersatz für Michel Vaillant. Wie immer eine perfekte Mischung aus Soap, Krimi und Renngeschehen von Daniel Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 319 page 69

Schließlich gibt es weitere Seiten aus der Serie Aleksis Strogonov. Der dritte Band Tamo spielt im Millieu der Partisanen. Jean Regnaud übertreibt es aber mit zynischem Slapstick und so passt nichts wirklich zueinander: Alle sind korrupt, dumm oder feige und bekämpfen lieber sich selbst als die Feinde, allerdings nicht so witzig, wie etwa im Leben des Brian. Da können meiner Meinung nach auch die guten Zeichnungen von Émile Bravo nichts mehr retten.

Detail ZACK 319 page 85

Und sonst?

Auch im neuen Jahr bleibt vieles beim Alten. Wir dürfen uns daher wieder über den Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi freuen. Auch News, Rezensionen und ein Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren sind wie immer vertreten. Die inhaltlichen Beiträge, beide von Christian Endres, behandeln das Criminal-Universum und das erste Buch von Flix.

Die Winterferien locken bisher tagsüber eher nach draußen, ist doch herrliches klares Wetter, sollten aber abends genügend Zeit bieten, sich in diese Ausgabe vertiefen zu können. Die weiteren Ankündigungen für 2026 verheißen weitere spannende Neuheiten und damit Spaß, Spannung und Abenteuer.

Dazu passen Booze & Glory mit „Mad World“ und ein DBB Winterbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2025

Cauvin/Lambil – Die Blauen Boys GA 6

1979 – 1981

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 16, 17, 18

Salleck Publications

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 34,90 € | 
ISBN: 978-3-89908-812-0

Cover Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6

Das Western-Comic-Genre teilt sich in realistische und eher lustig gezeichnete Titel.  Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass auch die Inhalte von Titeln der zweiten Kategorie nur lustig sind. Zwar sind alle Bände der Blauen Boys humorig und enthalten teilweise sogar slapstickartige Szenen, oftmals aber ist es ein schwarzer Humor, der die Schrecken des Krieges nicht überdecken soll, sondern eher überspitzt deutlich macht. Nicht zuletzt deswegen handelt es sich um eine der erfolgreichsten aktuellen Comic-Reihen. Im Original ist gerade Band 69 erschienen.

Eine notwendige Re-Edition ist angeschlossen

Zwar sind (mit dem üblichen Verzug bei den aktuellen Bänden) alle Titel der Reihe auch in Deutschland erschienen. Während die bei Carlsen oder aktuell bei Salleck Publications veröffentlichten Alben gehobenen Qualitätsansprüchen bezüglich Präsentation und Übersetzung genügen, waren die früher bei Bastei unter dem Reihentitel Bud und Chester veröffentlichten Bände weder in Form noch in Inhalt ausreichend. Mit diesem sechsten Teil der Gesamtausgabe liegen sie alle neu übersetzt und gelettert als Hardcover vor!

Bronco Benny thematisiert ein „Nachschubproblem“ beider Armeen des amerikanischen Bruderkrieges: Während es immer noch halbwegs möglich war, neue Soldaten zu rekrutieren (dazu später mehr), gab es bei den dringend für die Kavallerie benötigten Pferden größere Probleme. Besagter Bronco Benny nun ist der berühmteste Pferdeeinreiter und soll eine Herde von Wildpferden für den Einsatz zureiten. Natürlich gibt es dabei mehr Probleme als bei einem üblichen Rodeo.

Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6 page 74

In EL Padre müssen Sgt. Chesterfield und Corporal Blutch über den Rio Grande nach Mexiko fliehen. Dort geraten sie in eine heftige Fehde zwischen blutrünstigen indianischen und mexikanischen Banden. Zu ihrem Glück hatten sie ihre Uniformen gegen ein Bauerngewand und eine Priesterkutte tauschen können. Als sie dann auch noch eine Entführung beenden wollen, kommt es fast zum Eklat zwischen den Beiden. Die Feuertaufe, der erste damals bei Carlsen erschienene Band, erzählt schließlich wie es dazu kam, dass Chesterfield und Blutch bei der Nordstaatenarmee anheuerten. Alkohol erweist sich wieder einmal als schlechter Helfer in Krisensituationen!

Routine, immer wieder neu erfunden

Man mag zu den Zeichnungen von Willy Lambil stehen, wie man will; er schafft es mit jedem Band aufs Neue, bekannte Ingredienzen neu zu mischen und spannend auf das Papier zu bringen. Nicht nur, dass er immer Tiere, die eigentlich gar nicht zur Handlung gehören, im Vordergrund einiger Panel platzieren kann, ist bemerkenswert. Auch die aus wenigen Hauptfiguren bestehende Serie immer wieder unterhaltsam zu komponieren ist faszinierend. Und so erzielt eine Kleinigkeit wie eine Tonsur eine beachtliche Wirkung!

Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6 page 75

Während einige Serien auf ein Produktionstempo von 5 Geschichten pro Jahrzehnt kommen, haben die Blauen Boys es im ersten 10-Jahres-Zeitraum auf 18 Alben gebracht! Schon die schiere Menge zwingt zu einem großen Respekt. Tatsächlich wird hier aber nicht ein Schema wiederholt, jede einzelne Geschichte benutzt zwar die gleichen inhaltlichen Pattern, ist aber wiederholungsfrei.

Ist das das Ende der Gesamtausgabe?

Ein finanzieller Motivator für die ersten sechs Bände der Gesamtausgabe der Blauen Boys war die Tatsache, dass die ersten 17 Bände in Deutschland quasi nie erschienen waren. Wer sie hatte genießen wollen, musste auf fremdsprachige Versionen zurückgreifen. Diese Aufgabe ist nun erfüllt, alle anderen sind – teilweise allerdings vor langer Zeit und vergriffen – verfügbar gewesen. Wer also weiterlesen möchte, möge diesen Wunsch bitte formulieren und sich direkt an den Verleger Eckart Schott wenden (Kontakt über die ober verlinkte Verlagsseite).

Detail Die Blauen Boys - Gesamtausgabe 6 page 76

Für mich war es nie wirklich ersichtlich, warum diese geniale Serie in Deutschland doch eher ein Schattendasein führt. Qualitativ gibt es jedenfalls keine Unterschiede zu Lucky Luke, von den Verkaufszahlen allerdings schon … Zum Glück erscheinen ja aber wenigstens die aktuellen Bände weiterhin beim gleichen Verlag.

Dazu passen Bruce Springsteen, etwa mit seinen „Western“-Titeln, und ein Brooklyn Lager!

© der Abbildungen DUPUIS 1980, 1981, by Cauvin & Lambil / 2025 Eckart Schott Verlag

Beste Bilder 16 (2025)

Die Cartoons des Jahres

Hrsg: Antje Haubner, Jana Legal, Dieter Schwalm

Autor*innen, Zeichner*innen: 88 Cartoonist*innen

Lappan Verlag
Softcover Kleinformat | 176 Seiten | Farbe | 14,00 €
ISBN: 978-3-8303-3712-6

Cover Beste Bilder 16

Kurz vor Weihnachten – rechtzeitig für last-minute-Geschenke! – erscheint der Jahresband mit einer Auswahl von Cartoons aus diesem Jahr. Ihnen allen gemein ist, dass die Künstler*innen die Arbeiten selbst eingereicht haben, möchten sie doch den Deutschen Cartoonpreis 2025 gewinnen. Die Entscheidung wird erst am 9.Januar 2026 bekanntgegeben werden. Schon jetzt aber können sich alle Leser*innen daran laben.

Ist das lustig? Oder todtraurig?

Wer heutzutage Nachrichten klassisch im Fernsehen sieht, vielleicht sogar noch morgens zum Frühstück eine Zeitung liest, ja, sogar wer auf social media unterwegs ist fragt sich immer öfter, ob das was man gerade sieht, wirklich passiert sein kann. Nichts ist mehr vorhersehbar und eine Katastrophe jagt die Nächste. Nun ja, es gibt auch Dinge, die nicht wirklich katastrophal sind. Bemerkenswert sind sie allemal.

Beste Bilder 16 Fontispiz

Wieder hat sich die äußerst vielseitige deutsche Cartoonist*innenszene zusammengefunden und ihre besten Arbeiten eingereicht. Viele Themen sind so prägnant, dass sie von mehr als einer Person als Anregung für ein Bild genommen worden ist. Es gibt ein paar Mehr-Bild-Ausnahmen, generell erfordert es aber das Medium, sich auf einen Frame zu konzentrieren.

Neben der (dominanten) Außenpolitik beschäftigen sich die Zeichner*innen mit (alltäglichem) Rassismus, (nicht funktionierender) Infrastruktur, (der je nach Sichtweise (nicht) vorhandenen) Umweltzerstörung und Klimakatastrophe, aber auch mit den alltäglichen Situationen: Fittneswahn und e-bike-Schwemme, Gleichberechtigung und GPT-Nutzung. Natürlich kommen auch die Kriegsvorbereitung und die Ukraine als Bedrohung vor.

Beste Bilder 16 page 5

Sehr unterschiedliche Stilrichtungen

Die einzelnen Bilder könnten unterschiedlicher nicht sein. Von einer liebevoll und detailliert ausgeführten Arbeit bis hin zu einem Gekrickel, das mit nichts von der Botschaft ablenkt. Die meisten Arbeiten sind dabei farbig. Allen gemeinsam aber ist, dass sie mit teils liebevollem, oft bitterbösem Humor versuchen, der Welt und dem Leben ihren Schrecken zu nehmen. Nichts ist so schlimm, dass man nicht auch lachen könnte. Und das ist manchmal genau der Moment der Befreiung, der das Atmen wieder möglich macht und den Mut gibt, wieder aufzustehen!

Beste Bilder 16 page 8

Dazu passen Attila The Stockbroker mit „This is free Europe“ und Bordeaux.

© der Abbildungen 2025 für die einzelnen Cartoons bei den Autoren (sic!) | 2025 Lappan Verlag in der Carlsen Verlag GmbH Hamburg

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